Hagar und das neue Wasser

Und Abraham stand frühmorgens auf, und er nahm Brot und einen Schlauch Wasser und gab es der Hagar, indem er es auf ihre Schulter legte; und er gab ihr den Knaben und entließ sie. Und sie ging hin und irrte umher in der Wüste von Beerseba. Und als das Wasser im Schlauch ausging, da warf sie das Kind unter einen der Sträucher; und sie ging hin und setzte sich gegenüber, einen Bogenschuss weit, denn sie sprach: Dass ich das Sterben des Kindes nicht ansehe! Und sie setzte sich gegenüber und erhob ihre Stimme und weinte.” (1.Mose 21,14-16)

 

Dieser Auszug erzählt etwas von dem Leben einer Frau namens Hagar. Ihre Geschichte finden wir in dem ersten Buch der Bibel und spielte sich vor ca. 3800 Jahren ab. Dort war sie, Hagar, also, mit ihrem Sohn, und fand sich plötzlich in einer trockenen, heißen Wüste wieder. Sie wurde weggeschickt und bekam ein wenig Proviant mit auf ihre Reise. Sie hatte etwas Brot und einen Schlauch, ein damals übliches Behältnis zum Transport von Flüssigkeiten, voller Wasser. Doch dieses Proviant war natürlich relativ schnell verbraucht und sie war immer noch mitten in der Wüste. In einer heißen, staubigen Wüste, ohne Wasser und ohne die geringste Ahnung, in welche Richtung sie gehen sollte. Also ein absolut hoffnungsloser Zustand, menschlich gesehen aussichtslos und verloren. Keine Chance auf Rettung und Überleben. Sie brauchte ganz dringend Wasser, sonst würden beide sterben.

 

Und jetzt möchte ich Dich mal fragen: Wo bist Du? Vielleicht bist Du ein Mensch der ersten Gruppe, der noch auf der Reise ist. Du hast gut vorgesorgt, hast ein dickes finanzielles Polster, bist in der vollen Blüte deines Lebens und hast noch ausreichend Proviant dabei. Du siehst keinen Grund, Dir Sorgen zu machen, der Schlauch ist noch voller Wasser. Das freut mich für Dich, doch leider muss ich Dir sagen, dass auch Du Dich in einer Wüste befindest. Irgendwann ist der Zenit überschritten, Du merkst dass die Ressourcen nicht ausreichend sind. Dann wirst Du auch zu der zweiten Gruppe der Menschen gehören. Dann merkst Du, dass Dein Geld Dich vom Sterbebett nicht runterbringen kann, dass Deine Freunde nur noch mit sich selber kämpfen oder gar nicht mehr da sind. Du wirst merken, dass du etwas brauchst, was mehr Substanz hat. Du musst wissen, was für Deine Ewigkeit zählt.

 

Oder Du bist ein Mensch der zweiten Gruppe, der alles ausprobiert und alles wieder aufgegeben hat. Du bist mit Deinen Kapazitäten am Ende, Du brauchst Hilfe. Du hast verstanden, dass Du Hilfe brauchst und sehnst Dich nach wirklichem Leben. Genauso ging es Hagar auch. Sie gab ihr eigenes Kind auf, setzte sich hin und machte sich bereit zu sterben.

 

Und Gott hörte die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief der Hagar vom Himmel zu und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht! Denn Gott hat auf die Stimme des Knaben gehört, da, wo er ist;steh auf, nimm den Knaben und fass ihn mit deiner Hand, denn ich will ihn zu einer großen Nation machen.Und Gott öffnete ihre Augen, und sie sah einen Wasserbrunnen; und sie ging hin und füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Knaben zu trinken.” (1.Mose 21,17-19)

 

Doch die Geschichte aus der Bibel hört dort nicht auf, eigentlich fängt sie dort erst an. Gott sieht Dich und Gott hört auch Deine Stimme. Gott begegnet Hagar hier durch einen Engel. Er fragt nach ihr und er ruft ihr zu: „Fürchte dich nicht!“. Und genau das tut er auch bei Dir. Er begegnet Dir genau jetzt und fragt: „Was ist dir?“ Wenn Du allerdings noch immer kämpfst und auf Dich selber vertraust, wird Gott Dir nicht so begegnen. Wenn Du aber einsiehst, dass Du Dir selber nicht mehr helfen kannst, dass Du am Ende bist, ist Gott da und ruft Dir etwas zu. Er möchte aufgrund seiner großen Gnade Dir etwas ganz Neues schenken. Du hast es überhaupt nicht verdient, sondern er tut es aus reiner Gnade.

 

Er öffnet die Augen Hagars und sie entdeckt einen Brunnen mit frischem Wasser. Lass Dir auch von Gott die Augen öffnen und Du wirst auch das neue Wasser sehen. Nicht nur einen Schlauch sondern einen ganzen Brunnen. Dieses Wasser steht bereit und ist ganz nahe und wartet nur darauf von durstigen, elenden Menschen genommen zu werden.

 

Wer irgend aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.” (Johannes 4,14)

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